Meine persönliche Therapie – die Pferde

Mein Wunschtraum seit ich denken kann ist ein eigenes Pferd. Schon als kleines Kind träumte ich von Pferden und jedes noch so kleine Pferdchen, das ich zu sehen bekam, war fü mich absolut herzzerreissend. Ich empfand so eine enge Verbundenheit mit döen Tieren, wie es kaum zu beschreiben ist. Ich fühlte mich in einen Zustand versetzt von Himmel hoch jauchzend bis über der Erde schwebend. Ich weiss nicht, was genau diese Gefühle auslöste. Beim Anblick eines Pferdes war ich so überwältigt, dass ich nicht anders konnte. So träumte ich meine Kindheit dahin und verknüpfte jedes Pferd, das ich irgendwie traf, mit einem energetischen Band mit mir, so dass ich das Gefühl hatte, mit Ihnen verbunden zu sein und sie jederzeit vor mein geistiges Auge rufen zu können. Ich kann mich erinnern, dass ich über 100 Pferde zu meinem geistigen Eigentum zählte und dass ich mir die meisten davon gut eingeprügt hatte und sie sehr wach in meinem Kopf anwesend waren. So träumte ich meine gesamte Schulzeit vor mich hin. Später, als ich dann meinr Arbeit nachging, verschwanden langsam diese Gedanken in meinem Kopf. Doch tief in mir schlummerte immer noch der Traum von einem eigenen Pferd, obwohl ich es für sehr unwahrscheinlich hielt, dass ich mir jemals so ein wunderbaresTier hätte leisten können.

aussicht

Chico, ein ungarischer Warmblüter

Wie schon oft war ich mit meiner Familie am Wochenende in Ungarn um auszureiten. Die ungarische Puszta ist herrlich und lädt mit seinen weitläufigen Landschaften ein, die Natur zu erkunden. Es gibt riesengroße Wiesen und Äcker, dazwischen kleine Landstriche mit Bäumen und einige kleine Bäche, in denen man sich erfrischen kann. Die unendliche Weite ohne Zäune gibt mir das Gefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit. Wenn ich dann noch auf einem Pferd die Landschaft durchstreife und auf endlos langen Wegen un Wiesen und Weingärten galoppiere und der Wind mir um die Ohren saust, ist es wie fliegen ohne Flügel.
Dieses Mal bekam ich ein neues Pferd zum Ausreiten. Chico, ein junger ungarischer Wallach, hellbraujn mit dunkler Mähne, mit lebhaften Augen und viel Temperament. Er war sehr mager und ausgemergelt und am ersten Tag hatte ich Mühe, ihn halten zu können, da er sehr energisch vorwärts ging und unsere Verständigung noch nicht richtig funktionierte. Er war aber brav, machte keine Anstalten zu buckeln oder sonstigen Unfug und wir kamen wieder gut zu Hause an. Er war sehr lieb und anhänglich und liebte es, gestreichelt und gebürstet zu werden. Am zweiten Tag war unser Ausritt schon viel harmonischer. Wir ritten durch Bäche, durch tiefe Gräben zwischen den Äckern, durch Wälder und Wiesen. Ich fühlte mich sehr wohl und sicher auf ihm. Als wir an einem See vorbeiritten geschah es. Der Weg aus Lehm hatte tiefe eingetrocknete Furchen, da es die vergangene Woche stark regnete und die Traktoren ihre Spuren hinterlassen hatten. Wir ritten im Galopp den Weg entlang und mein Pferd stürzte auf diesem unebenen Boden und ich flog in hohen Bogen über das Pferd nach vor. Chico und mir ist nicht viel passiert. Er hatte ein paar Kratzer auf der Nase und ich einen großen Schrecken. Das Pferd kam jedoch sofort zu mir zurück und begutachtete mich am Boden liegend. Wir konnten den Ausritt zum Glück wieder fortsetzen. Am letzten Tag passierte uns noch einmal ein kleiner Sturz im Bach. Beim Hinausreiten aus dem Bachlauf, die Ufer sind meist sehr steil und man muss isch eine geeignete Stelle suchen, war Chico zu übereifrig und wollte unbedingt auf der Stelle hinausspringen. Es war jedoch zu steil und er fiel auf die Seite und ich wurde bis zur Hüfte hin nass. Es ist uns aber wieder nichts passiert und es war Sommer. Die Kühle war angenehm und wir konnten unseren Ausritt fortsetzen. Durch die kleinen Unfälle, die wir beide gemeinsam erlebt haben, sind wir zusammengewachsen. Ich konnte Chico vertrauen, dass er auch in unglücklichen Lagen auf mich aufpasst und wir kannten uns inzwischen schon gut.

Da kam zum ersten Mal der reelle Wunsch in mir hoch, dieses Pferd zu kaufen. Ich war so verliebt in Chico, dass ich mir vorstellen konnte mit ihm gut zurecht zu kommen und ihn jedes Wochenende in Ungarn zu besuchen und ihn dann vielleicht mit nach Hause zu nehmen. Er bräuchte wirklich jemand, der sich liebevoll um ihn kümmert, denn er sah nicht gut aus. Er war erst 6 Jahre alt und hat schon viel arbeiten müssen. Er wurde auch zu früh eingeritten, denn seine Beine litten darunter. Ich wollte, dass er in Zukunft ein schönes Leben haben soll und nicht mehr jeden Tag viele Reiter tragen muss. Er war wirklich ein liebes Pferd. Mein Mann zerstörte diese Illusion mit einem Schlag. Unser Hausbau war noch nicht ganz fertig und er konnte sich überhaupt nicht vorstellen, jedes Monat Geld für ein Pferd zahlen zu müssen. Es gab keine Diskussion. Er war absolut dagegen.

Mein Inneres war zerrissen. Was ist mit meinem Traum? Wird er niemals Wirklichkeit werden? Mein Herz hing schon sehr an diesem Pferd und es tat mir weh einzugestehen, dass ich es alleine zurücklassen musste. Was wird aus Chico werden. Ich weinte viele Monate. Nicht, weil ich das Pferd nicht bekommen konnte. Es war die Tatsache, dass ich meinen Traum aufgeben musste. Es war so traurig, weil meine Welt zusammenbrach. Alle meine Gedanken und Vorstellungen können nicht verwirklicht werden. Was ist das für ein Leben? Ich war am Boden zerstört.

Ich weiss den Zeitpunkt nicht mehr, aber irgendwann entflammte in mir wieder die Hoffnung und der Traum nach einem Pferd: “Diesmal kommt mir niemand in die Quere. Ich werde mich gut vorbereiten”, so meine Gedanken. Ich fing an, jedes Monat etwas Geld anzusparen und auf die Seite zu legen. Ich muss mein Pferd ja bezahlen können, wenn es soweit ist. Ich suchte nicht nach meinem Pferd. Ich wusste, dass es eines Tages vor mir stehen würde und wir beide ganz genau wissen, dass wir zusammen gehören.

 

GRISU – ein Traum wird wahr

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